
BEIPACKZETTEL
Hinweise und Grenzen einer Familienaufstellung
Für alle, die es genauer wissen möchten
Diese Abschnitte richten sich an Menschen, die erstmals eine eigene Aufstellung machen möchten oder sich genauer mit den Rahmenbedingungen beschäftigen wollen.
Ich lade Sie ein, die Hinweise als eine Art „Beipackzettel“ zu verstehen: Vieles davon wird im konkreten Prozess nicht entscheidend sein oder vorkommen.
Gleichzeitig können diese Informationen Orientierung geben, Sicherheit vermitteln und Fragen beantworten, die oft erst später entstehen.
Wird mit einer Aufstellung mein Problem/Thema gelöst?
Eine Aufstellung zeigt tiefgreifende Themen. Meist reicht eine Aufstellung aus, um Dinge klarer zu sehen und Ideen für die nächsten Schritte zu erhalten.
Ein typisches Missverständnis gibt es oft: Wichtig ist ein Symptom zu haben (Bsp. "Das Geld will nicht bei mir bleiben.") und weniger ein konkretes Ergebnis vor Augen zu haben (Bsp. "Ich brauche bis Ende des Jahres 20 Tsd. EUR."). Letzteres kann eine Aufstellung nicht versprechen. Wir können daran arbeiten, was das Thema Geld grundsätzlich blockiert und welche Schritte lösend wirken können.
Ich versuche, durch die Auswahl der Stellvertreter möglichst nah am Thema zu arbeiten. Gleichzeitig kann es vorkommen, dass sich in der Aufstellung Aspekte zeigen, die zunächst weniger erkennbar mit dem ursprünglichen Anliegen verbunden sind - sich jedoch in der Aufstellung "aufdrängen". Oft merkt man erst später, dass auch das oft ein wichtiger Schritt/Hinweis im Hinblick auf das ursprüngliche Thema war.
Kann ich das Verhalten anderer mit einer Aufstellung verändern oder für andere eine Aufstellung machen?
Familienaufstellungen konzentrieren sich auf Dich und sind keine Methode, um andere Menschen zu verändern oder zu beeinflussen.
Wenn Anliegen so formuliert sind wie:
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„Meine Mutter soll sich ändern“ oder
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„Was muss passieren, damit mein Partner sich entscheidet?“
dann prüfen wir gemeinsam, wie die Fragestellung auf das eigene Erleben/Handeln zurückgeführt werden kann.
Beispielsweise:
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„Was geschieht zwischen mir und meiner Mutter?“
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„Was brauche ich, um mich klarer abzugrenzen?“
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„Was steht zwischen mir und meinem Partner (Blockade)?“
Ein tragfähiges Anliegen bezieht sich auf das eigene Verhalten/Erleben/Verstehen und mögliche eigene Schritte.
Eine Ausnahme kann die Aufstellung für eigene Kinder darstellen, insbesondere wenn sie jünger als 16 Jahre sind.
Wirkt die Aufstellung automatisch?
Familienaufstellungen wird gelegentlich eine unmittelbare oder gar „magische“ Wirkung zugeschrieben. Davon distanziere ich mich.
Veränderungen entstehen nicht durch ein äußeres Eingreifen durch die Aufstellung oder den Aufsteller, sondern durch innere Prozesse wie Verstehen, Einordnen und neue Sichtweisen.
Sie entscheiden, was Sie annehmen, weiterdenken, umsetzen oder auch verwerfen.
Eine Aufstellung ist wie ein Wegweiser für die nächsten Schritte: ob, wann und wie sie diese gehen bleibt in ihrem Einflussbereich.
Ein weiterer Mythos besagt, dass Aufstellungen direkten Einfluss auf andere Personen haben können. Familiensysteme lassen sich bildhaft mit einem Mobile vergleichen: Verändert sich ein Element, verändert sich das Gesamtgefüge. Veränderungen bei anderen entstehen meist, weil Sie sich geändert haben.
Warum hat sich in der Aufstellung etwas anders gezeigt als ich im Vorgespräch erzählt habe?
Das ist oft der Fall. Aufstellungen verändern meist die eigenen Geschichten. Gewohnte Deutungen über Menschen können sich erweitern oder verändern, Beziehungen können in einem anderen Licht erscheinen, und bisher unbewusste Dynamiken werden sichtbar. Wäre alles so, wie im Vorgespräch beschrieben, würde das Thema wahrscheinlich oft nicht bestehen.
Nicht immer ist man bereit sofort die alten Bilder loszulassen. Hinzuschauen ist mutig und nicht immer angenehm - kann langfristig aber klärend und lösend wirken.
Eine gewisse Offenheit für neue Perspektiven ist hilfreich.
Ich kann mit einigen Sätzen oder Wahrnehmungen aus meiner Aufstellung nichts anfangen. Was mache ich damit?
Eine Aufstellung ist eine gemeinsame Suche/Wahrnehmungsprozess der Stellvertreter, Leitung und Klient/innen. Empfindungen werden in Bilder, Bewegungen oder Worte übersetzt. Diese können symbolhaft, verkürzt, unscharf oder mehrdeutig sein. In einigen Fällen können sie sogar zu jemand anderem im System gehören, wenn eine "Verschiebung" vorliegt.
Daher gilt:
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Alles Erlebte darf im Nachgang überprüft werden.
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Manchmal handelt es sich um erste Hinweise, die noch etwas ungenau sind.
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Nicht alles muss übernommen werden.
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Manche Eindrücke/Formulierungen verlieren an Bedeutung. Andere bleiben präsent und erweisen sich als wesentlich.
Sie entscheiden selbst, was für sie stimmig ist.
Wann sollte ich lieber keine Familienaufstellung machen?
Aufstellungsarbeit ist eine aufdeckende und oft tiefgehende Methode. Sie spricht emotionale, körperliche und geistige Ebenen an und benötigt daher innere Stabilität und ausreichend Energie.
Sie eignet sich in der Regel weniger:
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in akuten Krisen
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bei starker Erschöpfung
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wenn Stabilisierung im Vordergrund stehen sollte
Kann ich Themen/Personen bei einer Familienaufstellung ausschließen?
Wenn ein Thema betrachtet werden soll, andere Bereiche/Personen jedoch ausdrücklich unberührt bleiben sollen, kann dies den Prozess stark einschränken. Bsp.: "Ich möchte das Verhältnis zu meiner Tochter anschauen. Die Beziehung zu meinem Partner soll jedoch auf keinen Fall mit beleuchtet werden." Natürlich kann man am Anfang der Aufstellung den Partner rauslassen - und manchmal funktioniert dies auch. Es ist jedoch schwer, wenn dieser z.B. im Verhältnis Mutter-Tochter eine zentrale Rolle spielt.
In solchen Fällen kann eine stärker steuerbare Methode (z. B. Gesprächstherapie) sinnvoller sein.
Geht es mir nach einer Familienaufstellung immer besser als vorher?
Viele Menschen erleben nach einer Aufstellung Erleichterung und Klarheit. Manchmal treten jedoch zunächst Traurigkeit, Schmerz oder Irritation auf. Neue Einsichten brauchen Zeit, um innerlich verarbeitet zu werden.
In den Tagen oder Wochen danach kann es Phasen geben, in denen man emotional stärker bewegt ist. Das ist ein normaler Teil von Verarbeitung und kein Zeichen, dass etwas falsch gelaufen ist.
Sollte sich etwas überfordernd anfühlen, ist es wichtig, sich gegebenenfalls unterstützende Begleitung suchen. Gerne stehe ich mit Coaching-Sitzungen Ihnen zur Seite.
Ich bin in einer sehr schlechten Verfassung/stark traumatisiert. Kann mir eine Aufstellung helfen, dass es mir besser geht?
Familienaufstellungen sind keine traumatherapeutische Methode. Bei akuter Traumatisierung ist eine stabilisierende Therapie in der Regel der passende erste Schritt.
In der Traumaarbeit steht zunächst Stabilisierung im Vordergrund, anschließend Ressourcenaufbau und erst danach eine vorsichtige Annäherung an belastende Erfahrungen. Aufstellungsarbeit kann — wenn ausreichend Stabilität vorhanden ist — in diesem späteren Prozess unterstützend eingesetzt werden. Eine Rücksprache mit behandelnden Therapeut/innen oder Ärzt/innen ist im Zweifel empfehlenswert.
Was ist, wenn in der Aufstellung sich Dinge zeigen, die ich nicht/kaum aushalte?
Es kann vorkommen, dass während einer Aufstellung starke Reaktionen entstehen oder bislang wenig bewusste Themen/Traumas sichtbar werden. Zeichen von Überforderung sind typischer weise emotionale Distanz, gedankliches Abschweifen oder das Gefühl sein, nicht mehr ganz präsent zu sein.
Wenn dies geschieht bzw. bewusst wird, wird der Prozess verlangsamt, angepasst oder beendet. Sie behalten jederzeit Entscheidungshoheit darüber, wie weitergearbeitet wird.
Kann ich die Methode nutzen, um zu sehen, wie es anderen Menschen geht?
Ja und nein: Aufstellungsarbeit orientiert sich am persönlichen Bezug und am eigenen Anliegen. Wir schauen nur so weit in die Familiensyteme hinein oder zu anderen Personen, wie es für das eigene Leben Relevanz hat. Reine Neugier (Bsp. "Was ist zwischen meinem Mann und meiner Schwiegermutter los? Das hat mich schon immer Interessiert.", "Wie geht es meinem Ex-Freund mit seiner neuen Frau? Liebt er sie wirklich?") ohne relevanten, eigenen Bezug/Anlass ist kein tragfähiger Auftrag.
Die Aufmerksamkeit gilt dem eigenen Leben und den Themen, die dort wirksam sind. Wenn generationenübergreifende Dynamiken relevant werden, können sie betrachtet werden — jedoch in dem Maß, in dem sie für das eigene Leben Bedeutung haben.
Dieser Fokus dient sowohl der Selbstverantwortung als auch dem respektvollen Umgang mit Familiengeschichten.
